Bio-Treibstoffe sind nicht der Weisheit letzter Schluss

11.06.2006 - Quelle/Text: pressetext.at

Die Geschichte mit den Biotreibstoffen klingt wie ein Traum für die Umwelt. Doch das European Environment Bureau EEB hat vergangenen Mittwoch gemeinsam mit den Umweltschutzorganisationen BirdLife International und Transport & Environment vor den negativen Auswirkungen eines unkontrollierten Ausbaus der Biotreibstoff-Pflanzen gewarnt, denn der Schaden könnte größer sein als der Nutzen. Die drei Organisationen haben am Rande der Konferenz "Nachhaltige Wege für Biotreibstoffe in der EU" Richtlinien zur Biofuel-Direktive gefordert.

Rapsfeld
Raps - wird u.a. als Rapsöl-Kraftstoff eine große Zukunft vorausgesagt

"Wenn diese Richtlinien nicht geschaffen werden, dann ist die Einsparung der Treibhausgase durch die Verwendung von Biotreibstoffen vernachlässigbar, die Biodiversität bleibt weiter bedroht und schließlich wird dann auch die Öffentlichkeit Abstand davon nehmen Biotreibstoffe aus Umweltgründen zu kaufen", so EEB-Politikdirektor Stefan Scheuer im pressetext-Interview. "Wir müssen die Treibhausgasemissionen dringend zurückschrauben."

Bei Biokratstoffanbau sollte auf viele Faktoren geachtet werden 

Dies dürfe aber nicht auf Kosten der Biodiversität gehen, so der Experte. "Biotreibstoffe sind nur ein Bestandteil der Lösung. Wenn dies allerdings nicht nachhaltig erfolgt, der Anbau energieintensiver wird und zudem Anbaumethoden zum Einsatz kommen, die zur Zerstörung der Böden führen, ist das abzulehnen."

EU will bis 2010 rund 6 Prozent der Kraftstoffe durch biologische ersetzen 

In der EU sollen bis 2010 5,75 Prozent der fossilen Brennstoffe durch Biotreibstoffe ersetzt werden. Den Berechnungen der Experten zufolge würde allein der Anbau dieser zwischen 14 und 27 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der EU notwendig machen. "Umgerechnet ist das eine Fläche, die 15 Mio. Fussballfeldern entspricht", so Scheuer. Darunter fallen auch Flächen, die heute als Weideland genutzt werden.

Experte: EU-Regelungen müssen nun harmonisiert werden

Die Ziele für Biotreibstoffe wurden 2003 flexibel festgelegt. Der Grund dafür war, dass es in jedem einzelnen EU-Mitgliedstaat unterschiedliche Gegebenheiten vorhanden waren, so Scheuer. Nun sollten diese Regelungen harmonisiert werden.

"Die Frage ist nun wie man darauf reagiert, die rechtlich verbindlichen Ziele tatsächlich durchzusetzen", so Scheuer. Es dürfe nicht so sein, dass man den Teufel mit dem Beelzebub austreibe. "Biotreibstoffe sind nämlich keine unlimitierten Ressourcen."

Ziel nur mit Treibstoff aus den Tropen erreichbar - Zerstörung der Regenwälder

Regenwald in Nicaragua
Regenwald wird nicht nur für den Holzverkauf zerstört, sondern auch für den Anbau von Produkten, wie Soja und Palmöl

Die 5,75-Prozent-Regelung wird nur mit Importen von Palmöl und Zuckerrohr-Derivaten möglich sein, schlussfolgert die EEB. "Es ist kein Geheimnis, dass dafür Regenwald gerodet werden muss", so Scheuer. "Europa muss jetzt reagieren, um die Biotreibstoffe nicht zu einem Overkill für die Natur werden zu lassen", meint Ariel Brunner von BirdLife International. Ein unkontrollierter Anbau von Biotreibstoff-Pflanzen macht heute schon einigen Vogelarten in Europa das Leben schwer. Die Probleme in tropischen Regionen, wo der Regenwald Monokulturen zum Opfer fällt sind hinlänglich bekannt. "Die EU muss garantieren, die Schäden durch den Anbau von Biotreibstoff-Pflanzen möglichst gering zu halten", erklärt Scheuer.

Energieeffizienz von Fahrzeugen verbesserungsfähig

Viel zu kurz kommt Scheuer die technische Verbesserung der Fahrzeugtechnologie. "Die Verbesserung der Energieeffizienz von Fahrzeugen und eine enge Kooperation mit der Autoindustrie wäre eine Möglichkeit", meint Scheuer. Zudem müsse alles getan werden, um die Transportvolumina in der EU zurückzuschrauben. "Nur unter Einhaltung dieser Gegebenheiten, ist es sinnvoll auf Biotreibstoffe zu setzen", so der Experte abschließend im Interview.

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drgeldsetzer, 20.10.2006 13:10:02
Zur von Herrn Scheuer angesprochenen Möglichkeit der Verbesserung der Energieeffizienz von Fahrzeugen liefert der Artikel: „Es gibt ihn noch, den cw-Wert“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Nr. 239, S. 53 vom 14.10.06 erhellende Hintergrund-Informationen: Danach wurden schon zu Anfang der 80er Jahre Serien-Fahrzeuge mit sensationell niedrigen Luftwiderstandsbeiwerten (cw) auf den Markt gebracht. Da der Luftwiderstand im Quadrat mit der Geschwindigkeit ansteigt und bei Tempo 120 km/h 50 % aller Fahrwiderstände ausmacht, ist eine Verringerung der Stirnfläche von Kraftfahrzeugen entscheidend für deren Energieeffizienz.
Trotz gestiegener Kraftstoffpreise ist im Automobil-Markt ein Trend zu Geländewagen und Vans mit großer Stirnfläche und entsprechendem Kraftstoffverbrauch erkennbar. Entwicklungen wie der A-Klasse-Mercedes, in den man bequem einsteigen kann ohne sich bücken zu müssen, gehen in eine ähnliche Richtung. Auch die inzwischen verbreiteten Klima-Anlagen tragen erheblich zum Energieverbrauch von Kraftfahrzeugen bei.
Bemerkenswert ist ebenfalls, dass Volkswagen sein 3 L/100 km-Auto Lupo vom Markt genommen hat.
Demnach ist für die Energieeffizienz des Individualverkehrs in erster Linie das Verbraucher-Verhalten entscheidend, an dem die Autoindustrie ihre Entwicklungsziele orientiert.
Uwefreak, 15.02.2007 21:16:51
Kommentar zum Artikel von: drgeldsetzer, 20.10.2006 13:10:02
Den Eindruck, dass immer häufiger Großraumfahrzeuge, Vans und Landrover gekauft werden, die ziemlich umweltunfreundlich sind, habe ich leider auch. In dem Fall ist wohl der Gesetzgeber gefragt. Es sollte meiner Meinung ein Beispiel an China nehmen. Dort sind solche Fahrzeuge verboten.
Reibro, 16.02.2007 19:03:54
Hallo und Grüß Gott zusammen,
Ich fahre einen VW Vento der jetzt 11 Jahre alt ist und 260000km auf dem Zähler hat. Noch immer habe ich den ersten Auspuff und der sieht aus wie neu innen wie außen, die Zündkerzen müssen nur um die 100000km ausgewechselt werden, Öl verbraucht er so gut wie nie, es hat selbst noch eine "helle Farbe", an Treibstoff bezahle ich pro 100 km ca.8 Euro, nein es ist kein Wunderauto, es ist ein Auto das auf " LPG " fährt ein Gas das nur "H2O" ausplässt am Auspuff. Ich werde mein nächstes Auto sicher wieder auf " LPG " umbauen lassen den das ist mir unsere Umwelt mehr als wert.....
herzliche Grüße
ReiBro
Uwefreak, 18.02.2007 19:37:49
Kommentar zum Artikel von: Reibro, 16.02.2007 19:03:54
Hallo! Ich möchte nur kurz auf die Sendung "Sabine Christiansen" heute um 21.45 Uhr im ARD aufmerksam
machen. Dort wird u. a. ein Beitrag über umwelt-freundlichere PKWs gebracht.
Rusti, 18.02.2007 21:26:57
Zu: "Bio Treibstoffe sind nicht..."
Ich habe eine Frage an die Experten: Warum trägt der Einsatz von regenerativen Treibstoffen (z. B. Bio Diesel) bei sonst gleichen Bedingungen zur Senkung des CO2-Ausstosses bei? Soweit ich weiss, ist es zwar so, daß bei der Verbrennung regenerativer Brennstoffe nur so viel CO2 entstehen kann, wie vorher von den Pflanzen, aus denen der Brennstoff stammt, der Luft entzogen wurde.

Das klingt wie ausgeglichen.

Es ist doch aber trotzdem so, daß ein großer Teil der Biomasse, die auf den entsprechenden Flächen u. a. durch Sonnenenergie und CO2 entstanden ist, dann verbrannt wird, was ja normalerweise nicht geschieht. Oder anders herum, ob ich jetzt zur "Erzeugung" einer KWh Energie Erdöl oder Rapsöl verbrenne ist CO2-mässig doch egal, es sei denn, der Anbau des Rapses frisst viel mehr CO2 aus der Luft als der Anbau von irgend einer anderen Pflanze, die sonst dort gewachsen wäre, was ich bezweifle - oder? Hat da jemand Daten?

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