Öl könnte sich rasch in den Atlantik ausbreiten

04.06.2010 - Quelle/Text: Informationsdienst Wissenschaft online

Aktuelle Modellrechnungen mit einem hochauflösenden Ozeanmodell zeigen, dass sich das derzeit im Golf von Mexiko freigesetzte Öl über den Golfstrom innerhalb weniger Monate bis weit in den Atlantik ausbreiten könnte. Die Rechnungen wurden am Los Alamos National Laboratory (LANL), USA, durchgeführt.

Bohrplattform
Die Gefährlichkeit der Ölförderung ist seit der BP-Katastrophe im Golf von Mexiko wieder in das Bewusstsein der Allgemeinheit gerückt.

An Floridas Ostküste ist die Welt derzeit noch in Ordnung. Sommerwetter, angenehme Wassertemperaturen und weiße Strände lassen nicht ahnen, dass es mit dieser Idylle schon bald vorbei sein könnte. Wie hochauflösende Modellrechnungen einer Studie amerikanischer und deutscher Meeresforscher zeigen, könnte sich der Ölteppich sehr rasch aus dem Golf von Mexiko heraus in den Atlantik ausbreiten und zu Verschmutzungen an der Küste Floridas führen. Die Ergebnisse der neuen Modellexperimente zeigen, dass der Ölteppich den Atlantik innerhalb weniger Wochen erreichen und sich dann rasch weiter nach Nordosten ausbreiten könnte.

Karibik ist Wiege des Golfstroms

„Zunächst einmal dachten wir alle: Die Ölpest ist schlimm, aber derGolf von Mexiko ist weit weg“, so Prof. Dr. Martin Visbeck, Leiter derPhysikalischen Ozeanographie am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel.

Doch die Karibik ist die Wiege des Golfstroms, der Warmwasserheizung Europas. Von dort ergießen sich pro Sekunde etwa 32 Millionen Kubikmeter Wasser durch die Floridastraße in den Atlantik. „Insofern lag nahe, einmal nachzuschauen, ob und wie schnell ein Stoff, aus dem Golf von Mexiko in den Atlantik transportiert wird.“, so Prof. Visbeck weiter. „Meine amerikanischen Kollegen am Los Alamos National Laboratory (LANL) und National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder haben dies mit ihrem sehr hoch auflösenden (10 x 10 km) Ozeanmodell für 6 verschiedene Strömungsmuster nachgerechnet.“

Rascher Transport in den Atlantik

Die Ergebnisse zeigen einen raschen Transport der verschmutztenWassermasse in den Atlantik, die sich dort mit hoher Geschwindigkeitweiter verteilt. „Die Geschwindigkeit der Strömung liegt bei bis zu 150 Kilometern am Tag“, so Prof. Claus Böning vom IFM-GEOMAR,„insofern ist diese rasche Ausbreitung nicht wirklich überraschend füruns, sondern  bestätigt Abschätzungen aufgrund eigener KielerModellrechnungen mit hoch auflösenden Strömungsmodellen“.

Derzeit dennoch kein Grund zur Sorge

Trotzdem bräuchten die Europäer gegenwärtig keine Angst vor einer Ölpest an ihren Stränden zu haben. Durch die starke Verwirbelung des Golfstromsdürfte sich das Öl anschließend weiträumig im Nordatlantik verteilenund die Konzentrationen damit stark absinken. Außerdem wurde in den Modellstudien kein biologischer Abbau berücksichtigt, der auf Dauer die Ölbelastung deutlich abschwächt.

„Auch wenn wir auf der Basis der bisherigen Rechnungen für Europa Entwarnung geben können, benötigen wir weitere Untersuchungen, insbesondere um die langzeitlichen Entwicklungen besser abschätzen zu können. Wenn das Öl bis zum August weiter ungemindert ausströmt, müssen wir möglicherweise unsere momentanen Abschätzungen revidieren“, so Prof. Visbeck. Für die Küsten an der amerikanischen Südostküste sieht es allerdings nicht so rosig aus. Hier könnten die Badefreuden in diesem Sommer durch Ölverschmutzungen beeinträchtigt werden.

 

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Mutter Erde, 12.08.2010 10:13:59
Die Badefreuden der Amerikaner können uns in diesem Zusammenhang wirklich egal sein. Ich finde es sogar gut wenn die USA endlich mal von solchen Katastrophen betroffen sind. Vielleicht schärft sich dann das Bewusstsein in der US Öffentlichkeit für das Thema Umweltschutz...

Tatsache ist aber auch dass die Ölschwaden ganze Brutkolonien von Fischen auslöschen.. in einem ohnehin völlig überfischten Atlantik...
nasa92, 25.10.2010 17:48:20
Und was ist mit der Ölpest im Nigerdelta?
Am Golf von Mexiko müssen die Menschen derzeit hilflos zusehen, wie Öl die Küsten verseucht. Im Nigerdelta in Afrika ist das schon lange Alltag. Unzählige Liter Öl sickern dort jedes Jahr aus den Pipelines. Industrie und Politik drücken sich mit Erfolg vor der Verantwortung.
Viele Millionen Liter Öl sind in Wasser und Boden geflossen
6000 Kilometer Ölpipelines durchkreuzen das Nigerdelta im Zickzack - einige sind völlig veraltet. Wegen der Lecks und der immer häufigeren Öldiebstähle kommt es im Durchschnitt fünf Mal pro Woche zu einem massiven "Spill" - zu einer Öl-Havarie. Seit in Nigeria Öl gefördert wird, sind auf diese Weise viele Millionen Liter Öl ins Wasser und in den Boden geflossen. Ein Umweltdesaster, für das vor allem der Ölmulti Shell immer wieder Ärger bekommt. Der Konzern fördert allein rund 40 Prozent des nigerianischen Öls...

warum wird das nicht auch weltweit bekannt gemacht?




Schulze78, 03.05.2011 08:34:21
"Keine Angst vor einer Ölpest an den Sränden"^^
Als ob der Badespaß am Mittelmeer oder an Nord- und Ostsee das einzige Problem wäre worüber man sich in Europa Gedanken machen muss :P

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