Sperrzone um Atomkraftwerk Tschernobyl ist kein Tierparadies

25.08.2007 - Quelle/Text: Sonstiges/Eigenes Material

Eine Studie internationaler Wissenschaftler widerspricht Berichten über ein lebendiges Ökosystem in der 50.000 km² großen Sperrzone des Unglücksreaktors. Vielmehr nimmt die Artenvielfalt umso mehr ab, je größer die vorhandene Strahlenbelastung ist.

Katastrophengebiet soll ein Naturschutzgebiet mit artenreichem Tierbestand geworden sein

Tschernobyl
Unglücksreaktor Tschernobyl

Per Verordnung erklärte der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko unlängst die Sperrzone um das berüchtigte Atomkraftwerk zum zoologischen Naturschutzgebiet. Die einmalige Waldflora des nunmehrigen Schutzgebietes beheimate eines der größten Wildfauna-Reservate des Landes.

Auch das Tschernobyl-Forum der UNO und verschiedene Medien berichteten in jüngster Vergangenheit, die „Todeszone“ um das Kernkraftwerk habe sich zu einem lebendigen Ökosystem mit einer Vielzahl von Spezies entwickelt.

Auswirkungen der Strahlenbelastung auf die Natur sind schlimmer als bisher angenommen

Seit mehr als sechs Jahren erforschen Anders P. Mølller von der französischen Université Pierre et Marie Curie und Tim A. Mousseau von der amerikanischen University of South Carolina Vogelbestände in der Sperrzone.

In den Biology Letters der Royal Society publizierten sie ihre jüngsten Untersuchungen. Danach seien die Auswirkungen der radioaktiven Strahlung auf die Natur wesentlich schlimmer, als bisher angenommen.

Vögel meiden stärker belastete Zonen

Die untersuchten Vogelpopulationen meiden stärker verstrahlte Gebiete. Je höher die radioaktive Belastung ist, desto kleiner werden die Bruterfolge. In den am stärksten belasteten Zonen verringerte sich die Anzahl der Tiere um rund zwei Drittel gegenüber den weniger belasteten Zonen.

In dem schwach belasteten Kanev gibt es praktisch keine Tiere, die sich nicht fortpflanzen. In den verstrahlten Bereichen sind das aber 23 % - fast ein Viertel der Tiere hat keinen Nachwuchs.

Nach Ansicht der Forscher sind die Ergebnisse ihrer Studien zumindest teilweise auf andere Tiere übertragbar, weil deren Lebensumstände sich gleichartig verändert haben.

Birds prefer to breed in sites with low radioactivity in Chernobyl, A.P. Møller, T.A. Mousseau (2007):
Royal Society Publishing,
Condition, reproduction and survival of barn swallows from, A. P. MØller, T. A. Mousseau, G. Milinevsky, A. Peklo, E. Pysanets,:
Journal of Animal Ecology
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Quidel, 14.09.2007 12:34:10
Hallo Liebe Leute,

hier gibt es nicht viel zu kommentieren ausser das man scheinbar die Menschen immer noch fuer absolut dumm erklaert wenn man mit so unglaublich positieven Erfolgen aus einem mit Strahlen verseuchten Gebiet an die Oeffentlichkeit kommt. Ich glaube eher den serieusen Untersuchern die richtige Angaben publicieren.
13th Ghost, 22.12.2007 22:47:37
Die Tierwelt um und in Chernobyl und Umgebung finde ich sehr interessant. Vor Kurzem habe ich eine Dokumentation mit diesem Thema gesehen, in der behauptet wurde, dass die Lebensspanne der dort lebenden Tiere nicht lang genug wäre, als dass die Strahlung Auswirkungen auf sie hätte.

Was mich persönlich jedoch noch brennender interessiert, ist die Frage: Welche Auswirkungen wären auf einen Menschen nach einem 1-2 wöchigen Aufenthalt in und um Chernobyl zu erwarten bzw. zu befürchten? Ich weiß inzwischen von mehreren Leuten, die sich die "Ghost-Town" aus der Nähe angesehen haben, und muss gestehen, dass mich der Gedanke auch sehr reizt.

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