20 Jahre Wattenmeersekretariat in Wilhelmshaven - Wattenmeer für Klimawandel rüsten

02.09.2007 - Quelle/Text: World Wide Fund for Nature

125 Experten trafen sich im Wattenmeerhaus Wilhelmshaven anlässlich 20 Jahre Gemeinsames Wattenmeersekretariat von Holland, Dänemark und Deutschland zu einer Konferenz. Der WWF warnt eindringlich vor neuen Ölbohrungen im Wattenmehr und fordert, das Wattenmeer besser auf die kommenden Veränderungen durch den Klimawandel vorzubereiten.

Höhere Deiche allein schützen nicht vor steigendem Meeresspiegel

Wattenmeer bei Ebbe
Wattenmeer bei Ebbe

Es reiche nicht aus, die Deiche an der Nordseeküste immer höher zu bauen und die Küstenlinie mit immer mehr Beton zu befestigen, so der WWF anlässlich der internationalen Tagung zur Anpassung des Wattenmeeres an den Klimawandel in Wilhelmshaven.

Zwar könne man mit diesen Methoden noch eine Weile die Illusion der Sicherheit vor Sturmfluten aufrecht erhalten. Auf Dauer würden so aber immer mehr Wattflächen dauerhaft überflutet und der einzigartige Naturraum an der Nordseeküste zerstört.

Schutz der Menschen und der Nationalparks im Wattenmeer müssen Hand in Hand gehen

„Wir müssen beides verbinden: den Schutz der Menschen und den Schutz der wichtigen Nationalparks im Wattenmeer“, sagt WWF-Wattenmeerexperte Hans-Ulrich Rösner.

Beispielsweise könnte statt des Baus von Buhnen und Dämmen aus Stein besser Sand aus der offenen Nordsee aufgespült werden. Wahrscheinlich werde es in Zukunft auch erforderlich sein, durch eine weniger starre Grenze zum Land dem Wattenmeer wieder mehr Raum zu geben – etwa in so genannten Sommerpoldern, die ohne Gefahr für Menschen wieder an das Wattenmeer angeschlossen werden können.

Mehr Küstenschutzforschung aber auch Anstrengungen zum Klimaschutz notwendig

„Wir müssen aber alle noch viel lernen“, so Rösner. „Mehr Forschung im Küstenschutz, mehr Experimente mit innovativen Konzepten, mehr Kooperation zwischen Küstenschutzingenieuren und Naturschützern sind notwendig, damit wir rechtzeitig auf den steigenden Meeresspiegel vorbereitet sind.“

Gleichzeitig verlangt der WWF, dass gerade die besonders betroffene Region der Nordseeküste durch Klimaschutz zu einer Abschwächung des Meeresspiegelanstiegs beitrage.

„Mit der Nutzung erneuerbarer Energien wie Wind- oder Solarenergie können an der Küste schneller als andernorts vorbildliche Beiträge für den Klimaschutz geleistet werden, wobei die Gebiete hierfür verantwortungsvoll ausgewählt werden müssen“, sagt WWF-Experte Rösner.

Ölförderung in Wattenmeer-Nationalparks ist katastrophales Signal

Absolut kontraproduktiv seien die jüngst erhobenen Ansprüche, ausgerechnet in den Nationalparks im Wattenmeer die Ölförderung auszuweiten. „Das wäre nicht nur ein Schlag ins Gesicht der wertvollsten Schutzgebiete Deutschlands. Es würde auch jeden Klimaschutz an der Küste unglaubwürdig machen“, warnt der WWF-Experte.

Es sei absurd, ausgerechnet dort einen Klimakiller zu fördern, wo die Folgen des Klimawandels besonders schnell spürbar seien. Rösner: „Wo sonst, wenn nicht wenigstens in den Schutzgebieten der reichen Staaten, könnten wir endlich anfangen, Kohlenstoff auch mal im Boden zu belassen, bevor er in das Treibhausgas Kohlendioxid umgewandelt wird?“

Teilnehmer der internationalen Konferenz "Wattenmeer und Klimawandel" bestätigen WWF-Forderungen

Professor Morten Pejrup von der Universität Kopenhagen stellte beispielsweise fest, dass der steigende Wasserspiegel das Wattenmeer nur "ertrinken" lasse, wenn der Meeresspiegel schneller steigt als sich Sediment auf diesen Flächen ablagern kann.

Wenn der Meeresspiegel ansteigt, erweitert sich auch der zur Verfügung stehende Raum, denn Salzwiesen können überspült werden und damit wird auch mehr Sediment im gesamten Wattenmeersystem als Ganzes abgelagert.

Es ist möglich, dass die größte Gefahr für das Wattenmeerökosystem in der Zukunft in den Deichen liegt. Die Deiche stellen eine Barriere dar und verhindern, dass bei einem ansteigenden Meeresspiegel zusätzlicher Sedimentationsraum zur Verfügung steht.

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