Auch OECD-Studie sagt: Biosprit ist zu teuer, treibt die Lebensmittelpreise in die Höhe und kann der Umwelt schaden
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| © Deutsche Bundesstiftung Umwelt |
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Ernst Ulrich von Weizsäcker
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Die Schärfe, mit der OECD-Experten dieselbe Kritik vor einigen Tagen formulierten, entfachte Diskussionen in zahlreichen Ländern, die Milliardensummen in die Herstellung von alternativem Sprit stecken. Die USA geben mehr als sieben Milliarden Dollar jährlich aus. Für viele Farmer ist der Anbau von Mais für Sprit ein lukratives Geschäft geworden. Die Europäische Union will den Verbrauch von Biotreibstoffen ankurbeln. Auf ihrem Energiegipfel im März beschlossen die EU-Regierungschefs, dass bis zum Jahr 2020 zehn Prozent des Treibstoffverbrauchs nicht mehr durch Benzin oder Diesel, sondern durch Biosprit gedeckt werden sollen. Derzeit ist es etwa ein Prozent. Von Weizsäcker: "Biotreibstoffe sind der größte Angriff auf die Biodiversität!" Zu diesem Schluss kam Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Dekan der Bren School für Umweltwissenschaft und -management an der Universität Kalifornien sowie ehemaliger Präsident des Instituts für Klima, Umwelt, Energie in Wuppertal, auf der Fachtagung "Energie, Ressourcen, Frieden" in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück. Für den aktuellen Trend zum Anbau von ethanolbringenden Pflanzen wie Mais und Zuckerrohr machte er die Agrarlobby verantwortlich, die hoffe, damit "steinreich" zu werden. Außerdem wolle man unabhängig sein "von den Leuten, die auf dem Erdöl sitzen". "Erst wenn wir dazu imstande sind, Zellulose-Ethanol zu produzieren, gäbe es eine Chance, einen Beitrag zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes zu leisten", sagte von Weizsäcker. Zellulose-Ethanol, das durch Vergärung von pflanzlichen Abfallstoffen gewonnen wird, befindet sich noch in der Entwicklung. CO2-Emissionen halbieren und dessen Konzentration stabilisieren Um die Klima-Aufheizung zu verhindern, muss die Konzentration von Kohlendioxid stabilisiert und seine Emissionen halbiert werden. "Stattdessen erwarten wir eine Verdoppelung der Emissionen auf der Welt", so von Weizsäcker. Wichtig sei es also, die Entwicklungsländer mit ins Boot zu holen. Dazu sei der Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel ein starker Ansatz. Auf ihrer Japanreise hatte die Kanzlerin vorgeschlagen, weltweit einheitliche Obergrenzen für Treibhausgase pro Kopf anzustreben. Dadurch stehen Schwellenländer bei der Emission pro Kopf viel besser da als die Industrieländer. Friedensstiftender Vorschlag Merkels Merkels Vorschlag "ist friedensstiftend und fair", urteilte von Weizsäcker und rechnete vor, was das für die Industriestaaten bedeute: "Wir müssten unsere Emissionen um 80 Prozent senken!" Als elegantesten Lösungsansatz für den Klimaschutz bewertete von Weizsäcker die Energieeffizienz. Ökonomen sprächen immer von Arbeits- und Kapitalproduktivität - von Ressourcenproduktivität aber höre man nichts. Die aber müsse bis 2050 verzehnfacht werden, so, wie durch die Industrialisierung die Arbeitsproduktivität verzwanzigfacht worden sei. Und das gehe nur, wenn Energie stetig teurer werde. "Wir verpulvern Energie, weil sie nichts kostet!" So sei das auch bei den Arbeitslöhnen gewesen, die parallel zur Produktivität stetig gestiegen wären. Da auf der Welt eine derart ungleiche Verteilung von Land, Ressourcen und Bevölkerungsdichte herrsche, forderte von Weizsäcker eine gute internationale Zusammenarbeit von Experten aus Politik, Geologie, Energie und Friedensarbeit. |