BDI-Studie zu Klimaschutzkosten zeigt auf, warum Industrie mitziehen sollte

26.09.2007 - Quelle/Text: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.

Die vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bei der Unternehmensberatung McKinsey in Auftrag gegebene Studie wurde in den letzten Tagen von zahlreichen Organisationen und Politikern arg zerzaust aber auch gelobt: Je nach Interessenlage und Weltanschauung. Nun melden sich weitere Organisationen zu Wort und weisen auf Schwächen dieses Berichtes hin.

BUND sieht konzeptionelle und inhaltliche Mängel der McKinsey-Studie

Industrie
Die Nutzung fossiler Energieträger in ineffizienter Weise verursacht große volkswirtschaftliche Kosten und ruiniert das Klima

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht eine Reihe von Argumenten, warum sich die Industrie für ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen engagieren sollte. Absehbar sei jedoch auch, dass sich Wirtschaftszweige wie die Autoindustrie oder der Energiesektor verstärkten Umweltschutzmaßnahmen mit Hinweis auf die Studie auch künftig verweigern würden.

Wenn McKinsey CO2-Minderungen von lediglich 26 bis 31 Prozent als kostengünstig bewerte, liege das daran, dass Schäden durch den Klimawandel und die Kosten notwendiger Schutzmaßnahmen völlig außer acht gelassen worden seien.

Positive Bewertung der Chancen bei Erneuerbaren Energien und Gebäudesanierung

Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende: "Die McKinsey-Studie ist nicht das Produkt einer Umweltorganisation und sie macht aus dem Bundesverband der Deutschen Industrie auch keine ökologische Veranstaltung. Trotzdem kann sie in einigen Bereichen einem effektiven Klimaschutz den Weg bereiten. Vor allem bei den Erneuerbaren Energien und bei der Gebäudesanierung hebt die Studie die Chancen hervor. Die Autohersteller und die Stromkonzerne aber werden sich hinter McKinsey verstecken, wenn von ihnen mehr Verantwortung für den Schutz der Umwelt verlangt wird.“

BDI wirbt für Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken

Der BDI werbe unter Berufung auf den Klimaschutz für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken. Davon dürfe sich die Bundesregierung nicht erpressen lassen. Die erst wenige Wochen zurückliegende Pannen-Serie der Atomreaktoren in Krümmel und Brunsbüttel habe gezeigt, dass Atomkraftwerke unverantwortliche Risiken bergen. Hinzu komme, dass die Atomenergie den Ausbau erneuerbarer Energien und damit den Klimaschutz blockiere.

Sparsamere Autos und Kraft-Wärme-Kopplung kommen praktisch nicht vor

Große Lücken weise die McKinsey-Studie bei den Sparpotenzialen von Autos und den Ausbauchancen der klimafreundlichen Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) auf. So werde angenommen, dass technische Maßnahmen an Pkw deren CO2-Ausstoß lediglich um rund acht Millionen Tonnen pro Jahr verringern könnten. Dies blende die möglichen Minderungseffekte durch sparsame Autos vollständig aus. Auch der von McKinsey prognostizierte KWK-Ausbau bleibe hinter der vom BDI selbst abgegebenen Zusage zurück.

Zahrnt: „BDI-Präsident Jürgen Thumann sollte sich noch einmal die Prognos-Studie des Bundeswirtschaftsministeriums ansehen. Sie weist nach, dass auch bei einem Atomausstieg die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent verringert werden können. Ein ambitionierter Klimaschutz ist nicht nur für den Schutz der Erdatmosphäre dringend erforderlich, auch die Wirtschaft würde davon profitieren.“

Stoffliche Abfallverwertung ist aktiver Klimaschutz

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) weist auf eine weitere Milchmädchenrechnung hin: Deren Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock bestätigt, dass zwar die Umsetzung der Technischen Anleitung Siedlungsabfall (TASI) tatsächlich einen Rückgang von 15 Mt CO2-Äquivalente auf 3 Mt bringen könnte.

Rehbock: „Dieser Effekt aus dem erwarteten Rückgang der deponiebedingten Emissionen wird aber nur erreicht, wenn die Abfälle stofflich verwertet werden. Damit ist die stoffliche Verwertung von Abfällen der entscheidende Faktor zur Reduzierung von Treibhausgasen.“ Werden die Abfälle verbrannt, wird dabei letztendlich doch wieder klimaschädliches CO2 freigesetzt.

Eine thermische Verwertung sei daher erst sinnvoll, wenn qualitativ hochwertige Ersatzbrennstoffe in modernen Anlagen eine hohe Energieeffizienz sicherstellten. Nur dann könne ehrlicherweise von einer Substitution von fossilen Energieträgern gesprochen werden.

„Die stoffliche Verwertung ist der Schlüssel zum Erfolg,“ erklärte Eric Rehbock. Dabei spiele die getrennte Erfassung der Abfälle - gerade unter Qualitätsgesichtspunkten - eine ganz entscheidende Rolle. Nur so könnten die Klimazielwerte für den Bereich der Entsorgungswirtschaft erreicht und zukünftig sogar übertroffen werden.

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