Peruanischer Regenwald in Gefahr

08.10.2007 - Quelle/Text: Sonstiges/Eigenes Material

Am 28. September erreichte uns die Nachricht aus Peru: Ein Gesetzentwurf sieht die Verkleinerung des Nationalparks Bahuaja Sonene um ca. 20 % vor. Ölfirmen sind an den dortigen Erdgasvorkommen interessiert.

Der Nationalpark: Über eine Million Hektar unberührter Regenwald

Macaws flushing. View from the tower.
Macaws flushing. View from the tower.

Der betroffene Bahuaja Sonene Nationalpark liegt in der peruanischen Region Madre de Dios, nahe der Grenzen zu Brasilien und Bolivien. Die Hauptstadt ist Puerto Maldonado. Der Nationalpark schützt derzeit über eine Million Hektar unberührten Regenwaldes, denn Nationalparkstatus bedeutet in Peru, dass jeglicher menschlicher Eingriff verboten ist. Selbst Forscher und Umweltschützer dürfen dort nur mit besonderer Erlaubnis arbeiten. Die letzte Touristenlodge am Tambopata Fluss ist das Tambopata Research Centre (TRC) . Die Bootsfahrt von Puerto Maldonado nach TRC dauert ca. sieben Stunden, der Nationalpark beginnt ein Stück weiter flussaufwärts.

1.300 Vogelarten, 1.200 Schmetterlingsarten

Red and Green Macaw
Red and Green Macaw

Zusammen mit dem 275.000 Hektar großen Tambopata Nationalreservat umfasst das Schutzgebiet 1300 Vogelarten, 200 Säugetierarten, 1200 Schmetterlingsarten und über 10000 Pflanzenarten.

Dieses Stück Paradies soll nun dem wirtschaftlichen Aufschwung geopfert werden. So jedenfalls begründen die Ölfirmen ihr Vorhaben. Dass die peruanische Regierung diese Auffassung teilt, ist zu befürchten.

Peruanische Ministerrat verabschiedete Gesetzentwurf

Der Vorsitzende des peruanischen Instituts für Naturschutzgebiete (INRENA), das dem Landwirtschaftsministerium eingegliedert ist, und der Landwirtschaftsminister erklärten am 25. September ihre Opposition zu diesem Vorhaben, da es „sich nicht um irgend welche 209 000 Hektar handelt, sondern um das Herz von Bahuaja Sonene, den wichtigsten Nationalpark Perus“. Der Vorsitzende von INRENA, Luis Alfaro Lozano, erklärte am 26. September nach 12 Jahren im Amt seinen Rücktritt. Der peruanische Ministerrat verabschiedete den Gesetzentwurf am 27. September. Im nächsten Schritt wird dieser dem Kongress vorgelegt, der in letzter Instanz darüber entscheidet.

Vergangenheit zeigt Unterordnung der Naturschutzinteressen

Monkey Lizard
Monkey Lizard

Es wäre nicht das erste Mal, dass die peruanische Regierung sich für vermeintlichen wirtschaftlichen Reichtum und gegen die Belange des Umweltschutzes entscheidet. Erst vor wenigen Jahren beschlossen die Regierungen von Brasilien und Peru, eine gut ausgebaute Straße durch den peruanischen Regenwald nach Cusco und Lima zu bauen.

Die Werbeplakate Alejandro Toledos zeigen einen silbrig glänzenden LKW mit zwei fröhlichen Kindern in traditioneller peruanischer Kleidung im Vordergrund und einem Paar glücklicher Papageien, die über den LKW fliegen. Den Menschen in Puerto Maldonado wurde Wohlstand und Arbeit versprochen. Die lokalen Umweltschutzorganisationen waren machtlos. Die Straße wird zurzeit gebaut.

Umweltschützer und Tourismusexperten überrascht

Dusky Titi Monkey
Dusky Titi Monkey

Alan Lee engagiert sich seit 2002 als Biologe in verschiedenen Umweltschutzprojekten im peruanischen Regenwald. Derzeit arbeitet er im Rahmen des Tambopata Macaw Projects an seiner Doktorarbeit über Papageien. Für ihn war die Nachricht von der möglichen Verkleinerung des Nationalparks ein Schock. Keiner seiner in verschiedenen Umweltschutzorganisationen vor Ort arbeitenden Kontakte schien von dem Vorhaben gewusst zu haben. Ihre Meinung war nicht gefragt.

Ebenso vor den Kopf gestoßen fühlten sich die Besitzer von Touristenlodges wie TRC, die befürchten, dass ihr Geschäft unter möglichen Gasförderungen im Nationalpark leiden wird. Die Entwicklung der Tourismusindustrie in Madre de Dios, und speziell des sogenannten Ökotourismus, wird von Umweltschützern begrüßt, da sie der Region ein Einkommen bietet und gleichzeitig den Regenwald schützt.

Ölfirmen suchen nach Öl

Chironius
Chironius

Vor wenigen Tagen erhielt Alan eine Email von Emma Tatum-Hume, einer englischen Biologin, die seit sieben Jahren eine 4000 Hektar große Fläche Regenwald an einem anderen Flusslauf in Tambopata, dem Las Piedras, zu schützen versucht. Der Piedras Fluss und seine Umgebung sind nicht staatlich geschützt und die Abholzung nimmt zu, allerdings bisher nur selektiv und ohne große Maschinen. Das bedeutet, dass die Mahagonibäume zwar fast vollständig abgeholzt wurden, die Auswirkungen auf den Regenwald als Ökosystem jedoch noch gering sind. Emmas kleine Lodge, die hauptsächlich Forschungszwecken dient, liegt 7-9 Bootsstunden von Puerto Maldonado entfernt.

In der Email schrieb sie, dass Helikopterbewegungen über ihrer Lodge ihre Aufmerksamkeit erregt hätten. Sie fand heraus, dass Ölfirmen mit diesen Helikoptern die Gegend nach Öl- und Gasvorkommen absuchten und zu diesem Zweck auch ihr Stück Land ohne ihre Erlaubnis betreten hatten.


Fördererlaubnis in nicht-geschützten Gegenden leicht zu erhalten

Da es sich bei dem Gebiet am Piedras Fluss nicht um staatlich geschütztes Land handelt, dürfte es für die Ölfirmen relativ einfach sein, eine Fördererlaubnis zu bekommen. Bei einem bereits existierenden Nationalpark hingegen darf nach peruanischem Recht die Größe nur durch ein Gesetz geändert werden.

Autorin: Anja Kirchdörfer

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